Ergotherapie

Ergotherapie unterstützt und begleitet Menschen jeden Alters, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Einschränkung bedroht sind. Ziel ist, sie bei der Durchführung der für sie bedeutungsvoller Betätigungen in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit in ihrer persönlichen Umwelt zu stärken.
Hierbei dienen spezifische Aktivitäten, Umweltanpassung und Beratung dazu, dem Menschen Handlungsfähigkeit im Alltag, gesellschaftliche Teilhabe und eine Verbesserung seiner Lebensqualität zu ermöglichen.

Eine Verordnung für eine ergotherapeutische Behandlung kann nur durch einen Arzt erfolgen. Dies können der Hausarzt, Kinderarzt, Hals-Nasen-Ohren-Arzt, Kinder und Jugendpsychiater, Internist oder Neurologe sein.

Die Praxen sind für alle Kassen und Privat zugelassen.

Wir arbeiten interdisziplinär in den Fachbereichen Physiotherapie und Ergotherapie zusammen.

Rufen Sie uns an, wenn Sie nähere Informationen wünschen oder Fragen haben.

Behandlung nach Schlaganfall, Unfall, Handverletzungen etc.

Die Ergotherapie ist nur ein Baustein in der Rehabilitation von Menschen mit neurologischen Erkrankungen. Sie zielt darauf ab, die Selbstständigkeit der Menschen wieder zu erhöhen, indem sie ihnen zeigt, wie sie trotz der Einschränkungen durch die Erkrankung ihren Alltag bewältigen können. Die Therapie hilft den betroffenen Menschen, alltägliche Verrichtungen wieder auszuführen. Die Anleitungen und Übungen konzentrieren sich auf Aktivitäten des täglichen Lebens wie das Waschen, den Gang zur Toilette, das Anziehen, Aufstehen sowie auf Haushaltstätigkeiten.

Auch der Umgang mit Hilfsmitteln wie zum Beispiel Anziehhilfen oder speziellem Besteck wird vermittelt und geübt.

Zudem werden verschiedene Behandlungsmethoden wie  kognitiv therapeutische Therapie nach Perfetti, Bobath oder Affolter eingesetzt, um das Bewegungsausmaß und die Lebensqualität zu steigern, damit die Betroffenen mehr Alltagskompetenzen und Selbstständigkeit in ihren Handlungen zurück gewinnen können.

Therapieziele sind unter Anderem: Lagerung, Kontrakturprophylaxe, Bewegungsanbahnung und Bewegungsübungen in Bezug auf den lebenspraktischen Bereich, Training von Kraft und Sensibilität, Körperwahrnehmung, Wahrnehmungstraining, Konzentrationstraining und Umwelttraining; Angehörigenberatung, interdisziplinärer Austausch und das Einüben von Heimprogrammen findet ebenfalls im Rahmen der Ergotherapie bei neurologischen Erkrankungen statt.

Die Ziele der Therapie liegen im längst möglichen Erhalt von Funktionen, oder bei dem Erlernen von Kompensationsstrategien bei dauerhaftem Verlust von Beweglichkeit z.B. bei progressiven (fortschreitenden) Erkrankungen, wie Parkinson oder MS.

  • Training motorisch-funktioneller Fähigkeiten
  • Verbesserung der Wahrnehmung und Ausführung von Bewegungen
  • Schulung zur Bewältigung (täglicher) lebenspraktischer Aufgaben
  • Förderung der Eigenaktivität des Patienten zur Verbesserung seiner Lebenssituation
  • Schulung der Patienten im Umgang mit Hilfsmitteln
  • Beratung und Anleitung von Angehörigen zur Unterstützung der betroffenen Person

Kognitiv Therapeutische Übungen" nach Perfetti

Die "Kognitiv therapeutischen Übungen" sind eine Behandlungsform für die Rehabilitation von Hemiplegie nach Schlaganfall, Hirnverletzungen nach Unfall, sowie orthopädischen Problemen. Dem zentralen Nervensystem (ZNS) sollen bestimmte Grundfähigkeiten wieder vermittelt werden, die primär für Informationsaufnahme und –verarbeitung zuständig sind, daneben aber auch die für Vielseitigkeit und die Fähigkeit einzelne Bewegungselemente kontrollieren zu können.

  • Ziel ist die Organisation bzw. Reorganisation des Nervensystems.
  • Grundlage der Therapie ist der Tastsinn (Sensibilität), der eine wesentliche Rolle bei der Organisation von Bewegungen spielt. Das ZNS braucht Informationen vom Körper und der Umwelt, um Bewegungen planen und ausführen zu können, d.h. Bewegung und Sensibilität hängen voneinander ab.
  • Wichtig ist die Förderung des Bewusstseins, der Aufmerksamkeit für die Reizverarbeitung (Wahrnehmung) aus Körper und Bewegung. Eine große Rolle spielen Motivation und Gedächtnis
  • Ziel sind nicht mehr oder weniger mechanische Abläufe, sondern das kognitive (bewusst-intelligente) Lösen bestimmter Aufgaben unter Nutzung sensibler Informationen
  • In der Therapie wird vorher das Ziel und die Durchführung genau erklärt, nicht nur um Aufmerksamkeit und Motivation zu wecken, sondern auch damit die gespürte Bewegung mit der gestellten Aufgabe verglichen werden kann. Denn ohne bewusstes Hinterfragen und Abgleichen kommt es nicht zu der gewünschten Reizverarbeitung
  • Das Nervensystem zu reorganisieren bedeutet die Fähigkeit der Interaktion zwischen Patient und Umwelt zu verbessern.

Wie wird die Therapie praktisch umgesetzt?

Vor der Behandlung steht eine ausführliche Untersuchung und Überprüfung der Sensibilität,. Ist das individuelle Problem des Patienten erkannt, wird eine Hypothese formuliert und erst danach das Übungsniveau sowie die einzelnen Übungen ausgewählt. Anhand der Reaktionen des Patienten während der Übungen wird die Hypothese überprüft.

Es gibt verschiedene Übungsebenen:

  • Übungen 1. Grades; keine aktiven Bewegungen (Therapeut bewegt), geschlossene Augen um Kompensation mit dem visuellen System zu vermeiden
  • Übungen 2. Grades; unterstütztes willkürliches Bewegen (erfordert gutes Zusammenspiel von Therapeut und Patient),- schon etwas komplexere Aufgaben möglich
  • Übungen 3. Grades; selbstständiges Bewegen ohne Hilfe,- zunehmend komplexer

Die Übungen und der Übungsaufbau werden individuell auf den Patienten abgestimmt und zusammengestellt unter bestimmten Aspekten wie Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und kognitiver Bewegungskontrolle.

Für die Übungen wird spezielles Therapiematerial benötigt. Es handelt sich dabei überwiegend um 2 oder 3 dimensionale Figuren in verschiedenen Größen, Materialien und Formen oder spezielle Konstruktionen, die teilweise in sich mobil sind. Die Kanten der Objekte werden z.B. mit dem Finger ertastet, entweder geführt durch den Therapeuten oder selbstständig. Der Patient soll sowohl die verschiedenen Formen, Strukturen, Materialstärken, Widerstände oder Gewichte, als auch die Distanz und Richtung der Bewegung erspüren und nachvollziehen, sie wieder erkennen und später aktiv reproduzieren.

Die adäquaten sensomotorische Reize wirken stimulierend auf den Patienten. Er tritt in Interaktion mit der Umwelt und lernt sie wieder "begreifen". Durch das intensive Training des sensomotorischen Nervensystems kommt es auch oft zu einer Senkung des Muskeltonus (Spastik).

Bobath-Therapie

Mit der Bobath-Therapie werden Kinder und Erwachsene mit Erkrankungen des Zentralnervensystems ergotherapeutisch behandelt. Dazu gehören Bewegungsstörungen, Störungen der Umsetzung von Sinneseindrücken in Bewegungen und neurologische Krankheitsbilder, wie Schlaganfall, Multipler Sklerose, Hirnblutung, Schädel-Hirn-Trauma, Erkrankungen des Rückenmarks, Hirnhautentzündung, Hirntumore, Parkinson und ähnliches. Spezielle Beeinträchtigungen sind die vollständige oder teilweise Lähmung eines Körperteils, unkontrollierte niedrige Körperanspannung (schlaffe Lähmung) oder zu hohe Spannung (Spastik), Haltungs-, Gleichgewichts- und Bewegungsstörungen und Störungen der eigenen Körperwahrnehmung.

Das Selbsthilfetraining in der Bobath-Therapie setzt auf regelmäßig wiederkehrende Alltagstätigkeiten, die in den Lernprozess eingebunden werden. Durch Führung lernt der Patient, den betroffenen Körperteil mit einzubeziehen. Handlungen, die ihm vor der Erkrankung vertraut waren, werden wieder erarbeitet. Dazu gehören besonders das Ankleiden, die Körperpflege und Essen und Trinken. Das Bobath-Konzept greift auf konkrete Bewegungserfahrungen zurück und der Patient muss nicht von Grund auf Neues lernen. Bei der Körperpflege ergeben sich darüber hinaus noch Möglichkeiten, die eigene Körperwahrnehmung zu fördern

Das Bobath-Konzept soll den Patienten helfen, wieder die Kontrolle über die Muskelspannung und die Bewegungsfunktionen zu erarbeiten. Physiologische Bewegungsabläufe anzubahnen und die Regulation der Muskelspannung sind die Arbeitsweise dieser Therapieform. Für jeden Patienten wird ein individuelles Konzept erarbeitet. Dazu gehört im Voraus eine genaue Analyse der Probleme, Ressourcen und Ziele, danach werden dem Betroffenen Lernangebote wiederholt und gezielt gezeigt. Dazu gehören unter anderem die Lagerung (zur Vermeidung bzw. Hemmung der Spastik), die Bewegungsanbahnung und das Selbsthilfetraining. Verloren gegangene sensomotorische Funktionen, wie das Gehen oder das Anziehen von Kleidungsstücken, sollen wieder erlernt und die Wahrnehmung des eigenen Körpers soll wieder normalisiert werden.

Die Behandlung und die Pflege nach der Bobath-Therapie bei hirngeschädigten Patienten sollten so früh wie möglich beginnen. Dadurch wird verhindert, dass sich falsche und unnötige Bewegungsabläufe erst angewöhnt werden. Patienten, die sofort nach dem Eintreten der Schädigung des Zentralnervensystems mit dieser Therapie behandelt werden, haben wesentlich bessere Chancen auf eine Rehabilitation. Dazu muss das gesamte therapeutische Team zusammenarbeiten, zu dem neben den Physio- und Ergotherapeuten vor allem auch die Krankenpfleger/innen gehören.

Ein Schwerpunkt des Bobath-Konzepts in der Pflege ist zum einen die Lagerung, die gerade in der Akutphase ein wichtiger Bestandteil im Tagesablauf des Patienten ist. Durch eine fachlich richtige Lagerung können Fehlhaltungen und einseitige Belastungen vermieden werden. Durch verschiedene Lagerungspositionen spürt der Patient Druck an den unterschiedlichen Stellen, und kann sich so besser spüren. Bei der Mobilisation ist die richtige therapeutische Handhabung wichtig. Bei jedem Umbetten, Aufstehen oder Umsetzen sollte dies beachtet werden. Durch die Gestaltung der Situation und dem Führen der betroffenen Körperteile macht die betreuende Person ein Lernangebot, damit der Patient seine weniger betroffene Körperseite einsetzt.

Spiegeltherapie (Facialisparese) z. B. nach einem Schlaganfall

Die Spiegeltherapie ist eine neue Methode, mit der man neurologische Funktionsstörungen - beispielsweise nach einem Schlaganfall, Handverletzungen oder Schmerzsymptomatik wirksam behandeln kann.

Wie funktioniert die Spiegeltherapie? 

Ein Spiegel wird vertikal vor den Patienten gestellt, so dass nur die nicht betroffene Extremität für den Patienten zu sehen ist. Die betroffene Extremität bleibt verborgen.

Während der Behandlung führt der Patient bzw. die Patientin mit beiden Extremitäten Bewegungen synchron aus und betrachtet dabei das Spiegelbild.

Durch das Spiegelbild entsteht beim Bewegen die Illusion, die betroffene Seite bewege sich ebenso wie die Gesunde.

Die Therapeutin bzw. der Therapeut unterstützt die betroffene Extremität des Patienten, so weit es nötig ist. So entsteht auf der betroffenen Seite eine aktive oder passive Bewegung.

Vorteile der Spiegeltherapie:

Der Patient/die Patientin erhält einen normalen visuellen Input. Bei anderen Therapieformen ist der visuelle Input üblicherweise gestört, da der Patient die Bewegung der betroffenen Extremität sieht. Oftmals weiß die betroffene Person gar nicht mehr, wie eine bestimmte Bewegung auszusehen hat.

Das Gehirn bekommt  nahezu fehlerfreie Informationen – wenn auch illusorisch. So können sich im Gehirn qualitativ gute Engramme (=Erinnerungsbilder) bilden.

Das Spiegelbild ist ein so starker Reiz, dass der Patient motiviert wird, seine paretische Extremität wieder zu bewegen.

Sensorische Integrationstherapie

Unter Sensorischer Integration versteht man das Zusammenwirken von Sinneseindrücke (über Augen, Ohren, Nase, Geschmacksnerven, Haut und Gleichgewichtsorgan) und deren Wahrnehmung und Deutung im zentralen Nervensystem sowie die Fähigkeit, Körpersprache oder Handeln seiner Mitmenschen zu deuten, diese nachvollziehen zu können und situationsangemessen zu reagieren.

Bei einer Sensorischen Integrationsstörung werden die Eindrücke im Gehirn nicht richtig verarbeitet. Meist sind Kinder betroffen. Diese haben häufig Lernstörungen und die Alltagsbewältigung fällt ihnen schwer. Je früher ein Ergotherapeut aufgesucht und eine Störung erkannt wird, desto höher sind die Chancen auf eine erfolgreiche Therapie. Erwachsene mit einer Sensorischen Integrationsstörung hatten größtenteils als Kind schon Probleme.

Die Symptome können Bsp. folgende sein:

Im Säuglingsalter: gestörter Schlafrhythmus, Saug- und Schluckprobleme, Unruhe und Schreien, auffallend geringe Aktivität, irritiertes Verhalten bei Berührung.

Im Klein- / Schulkindalter: verzögerte motorische Entwicklung, Ungeschicklichkeit / Tollpatschigkeit (Dyspraxie), mangelndes Körper- und Selbstbewusstsein, Überempfindlichkeit gegenüber ungewohnten Geräuschen, Anpassungsschwierigkeiten an neuen Situationen, Hyper- oder Hypoaktivität, Lernstörungen, Störung der feinen Motorik, Probleme bei Alltagshandlungen wie sich anziehen, Meiden von Situationen, in denen es zu Berührungen kommen kann (Disco, öffentl. Verkehrsmittel, Warteschlangen, etc.),Höhenangst, häufiges Anrempeln von anderen Menschen oder z. B. Türrahmen.

Eine Sensorische Integrationsstörung ist jedoch kein Anzeichen für mindere Intelligenz oder Begabung!

Die Sensorische Integrationstherapie ist eine neurophysiologische Behandlung und wurde maßgeblich von der amerikanischen Psychologin und Ergotherapeutin A. Jean Ayres (1920 - 1989) entwickelt.

Die Behandlung findet in spielerischer Umgebung statt. Dies ist meist ein Raum mit Klettermöglichkeiten, aufgehängten Spielgeräten, Matten, Trampolinen, Hängematten und teilweise unebenem Boden. Damit sollen ein besseres Gleichgewichtsgefühl und eine Erhöhung der muskulösen Grundspannung zur positiveren Körperhaltung erreicht werden.

Hauptsächlich wird die Sensorische Integrationstherapie bei Kindern angewendet, mittlerweile aber auch bei psychisch erkrankten Erwachsenen mit Körperwahrnehmungsstörungen (beispielsweise bei Schizophrenie)

Die Ziele sind bessere Hand-/ Augenkoordination, Bewegungskoordination, Sprach- und Kommunikationsverbesserung, verbesserte Selbstwahrnehmung und die Erkenntnis über die Bedeutung bestimmter Handlungen.

Feinmotorische Übungsbehandlung

Als Feinmotorik werden alle kleinen, filigranen Bewegungsfertigkeiten bezeichnet wie z.B das Schreiben, Knöpfe schließen oder die Mundbewegungen beim Sprechen.

Feinmotorik, ein Bereich der Motorik, bezeichnet alle Bewegungsfertigkeiten, die ein Mensch mit seinen Fingern, seinen Zehen und seinem Gesicht erlernen kann. Es handelt sich hierbei um sehr präzise, kleine Bewegungen, bei denen Kraftdosierung eine große Rolle spielt. Fertigkeiten der Feinmotorik sind zum Beispiel:

  • Malen
  • Schreiben
  • Schleife binden
  • Hemd zuknöpfen
  • Haare flechten
  • Ausschneiden
  • Klavierspielen
  • Grimassen schneiden

Warum ist Feinmotorik so wichtig?

Feinmotorik ist wichtig für die kindliche Entwicklung, denn spätestens wenn es in die Schule kommt, werden feinmotorische Tätigkeiten von ihm verlangt. Wenn es die Feinmotorik nur unzureichend trainiert hat, sind Probleme beim Schreiben und Zeichnen sehr wahrscheinlich. Aber auch in anderen Bereichen ist eine gut ausgebildete Feinmotorik wichtig, zum Beispiel beim Sprechen lernen, beim selbstständigen Anziehen oder der Mimik und Gestik.

Eine altersgemäße Entwicklung im Bereich der Feinmotorik ist von großer Bedeutung, weil sich der Entwicklungsstand des Kindes auch auf andere Entwicklungsbereiche auswirkt. Ein Kind, das feinmotorisch nicht altersgemäß entwickelt ist, kann im Unterricht nur mit Mühe folgen, weil es viel langsamer und mühevoller schreiben lernt als seine Altersgenossen. Das kann emotionale Probleme verursachen, während Kinder mit einer normal entwickelten Feinmotorik ein deutlich positiveres Selbstbild haben.

Behandlung bei ADHS/ ADS

Die Ergotherapie bei ADHS/ADS greift in der Regel zuerst bestehende Störungen in der Wahrnehmung und der Motorik auf. Die Betroffenen lernen ihren Körper und ihre Grenzen in einem geschützten Rahmen besser kennen. Eine strukturierte Arbeitsweise wird angestrebt, die Verbesserung der Grob- und Feinmotorik und die Fähigkeit, leserlich zu schreiben und die Zeilen zu beachten sollen erreicht werden. Die Aufnahme und Verarbeitung von Sinnesreizen, die Kommunikationsfähigkeit und soziale Fähigkeiten werden verbessert. Besonders wird auch das Erlernen von strukturiertem und organisiertem Arbeiten geübt. Mit kleinen Erfolgen wird das Selbstbewusstsein des Kindes wieder gestärkt.

Um das Störungsbild ganzheitlich zu behandeln, werden verschiedene Therapieansätze zusammengeführt. Eine Lerntherapie greift zum Beispiel dann, wenn eine Teilleistungsstörung besteht. Verhaltenstherapeutische Ansätze, das Erstellen von Verhaltensplänen und Bonussystemen und die Beratung der Eltern oder Lehrer sind weitere Möglichkeiten. Mit Bewegungsspielen kann der übermäßige Bewegungsdrang abgebaut werden. Um die Aufmerksamkeit, die Wahrnehmung und das Aushalten von Frust zu verbessern, kommen Spiele (auch am Computer) zum Einsatz. Diese sind oftmals mit Bewegung verbunden. Das Kind muss zum Beispiel aus einer Hängematte heraus ein Puzzle zusammensetzen, oder sich die Lösungen einer Aufgabe mit einem Rollbrett holen. Damit werden gleichzeitig die Haltung und die Motorik trainiert.

Neben Einzelbehandlungen, in denen gezielt an individuellen Problemen gearbeitet wird, bieten wir auch Gruppenprogramme an.

ATTENTIONER

Training für Kinder mit Aufmerksamkeitsstörung

Für Kinder und Jugendliche ab der 2. Klasse, die bereits über eine gewisse Lesefähigkeit verfügen.

Mit dem neuropsychologischen Gruppentraining ATTENTIONER lassen sich die Aufmerksamkeitsleistungen wirksam verbessern. In diesem Training steht nicht die Selbstinstruktion im Vordergrund, sondern einzelne Aufgaben werden als zu lösende Probleme angesehen, die von den Kindern intuitiv über Versuch und Irrtum gelöst werden, Die jeweils beste Strategie führt dabei zum Erfolg.

Die Teilnehmer sollen vor allem lernen, sich auf die jeweils wichtigen Informationen zu konzentrieren und ablenkende unwichtige Umgebungsreize zu ignorieren. Dazu werden Aufgaben gegeben, bei denen gezielte Störreize eingebaut sind, die ignoriert werden sollen.

Eine Steigerung der gezielten Aufmerksamkeitssteuerung wird dadurch angestrebt.

Dies wird durch die Verknüpfung von kognitiven und Verhaltensbezogenen Trainingsmodulen erreicht. Die Kinder lernen durch immer wieder geübtes Verhalten, effektive Strategien zur Steuerung der Aufmerksamkeit schnell und flexibel einzusetzen und auch in Alltagssituationen zu übertragen.

Das Trainingsprogramm enthält Anforderungen an die gezielte und geteilte Aufmerksamkeit, und ist in vielen Bereichen Schulstunden nachempfunden. Dies hat dadurch eine große Alltagsbedeutung und Auswirkungen auf Arbeitsweisen und Strategien.

Bei allen Aufgaben werden immer verschiedene Sinne und damit auch verschiedene neuronale Netze der Aufmerksamkeit angesprochen und mit anderen neuronalen Netzen zum Beispiel für visuelle Wahrnehmung, Motorik oder Gedächtnisleistung gemeinsam aktiviert. Im Verlauf nehmen die Komplexität der Aufgabeninhalte und die Stärke der ablenkenden Reize zu. Dabei wird auf bereits bekannte Inhalte zurückgegriffen und in komplexerer Form dargeboten.

Die Kinder versuchen, intuitiv nach Versuch und Irrtum den bestmöglichen Lösungsweg zu finden. So lernen sie spielerisch nicht nur den richtigen Weg, sondern erkennen auch, welcher Lösungsweg nicht zum erwünschten Erfolg führt. Sie entwerfen eine Vielzahl von Lösungsstrategien, aus denen sie die Besten auszuwählen lernen.

  • Das Training wird als Gruppentraining durchgeführt, so dass die Teilnehmer auch voneinander lernen können.
  • Die integrierte Wettkampfsituation in Teams erhöht die Leistungsmotivation und die Teamfähigkeit.
  • Das Einhalten von wichtigen Basisregeln wird durch die Vergabe von Punkten positiv verstärkt.
  • Das hohe Niveau der Aufgaben fördert die Frustrationstoleranz und bei Erfolg ist es eine große Bestätigung der persönlichen Leistungen.

Lauth und Schlottke

Training für Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen

Mit diesem Programm sollen die Kinder lernen, Probleme anhand erlernter Strukturen zu erkennen und Lösungsstrategien zu entwickeln. Bei den Problemen handelt es sich nicht nur um schulische Aufgaben, sondern auch um Probleme im Sozialverhalten.

Das Trainingsprogramm von Lauth und Schlottke wurde für aufmerksamkeitsgestörte Kinder im Alter von 7 - 12 Jahren entwickelt und gliedert sich in 4 Therapiebausteine mit unterschiedlichen Zielen:

Basistraining:

  1. Wissensvermittlung über Aufmerksamkeitsstörungen(7-9jährige): üben der Basisfertigkeiten wie „genau hinhören, hinsehen, beschreiben, zuhören und nacherzählen
  2. Reaktionsverzögerung lernen (nachdenken, prüfen)
  3. das eigene Aufmerksamkeitsverhalten durch verbale Selbstanweisungen steuern lernen

Das Basistraining wird von einem Verstärkerprogramm begleitet. Hierbei wird durch Vergabe und Wegnahme sog. „Tauschverstärker“ auf positives wie unerwünschtes Verhalten der Kinder reagiert, wobei die Kriterien hierfür mit den Kindern festgelegt wurden.

Strategietraining: (8-12jährige)

  1. vor Handlungsbeginn Ziele und Merkmale des Problems vergegenwärtigen
  2. eigenes Verhalten im Voraus planen und an einer Strategie orientieren
  3. eigenes Verhalten durch Selbstinstruktion regulieren
  4. Strategien zum Umgang mit Ablenkung, Fehlern und Frustrationen

Den Kindern wird über Signalkarten eine Strategie beigebracht, mittels derer sie Probleme leichter erkennen und überschauen können.

Wissensvermittlung:

  • Übertragen der Inhalte des Strategietrainings auf schulrelevante Aufgaben
  • Gedächtnisstrategien
  • Strategien zur Lernorganisation

Vermittlung sozialer Kompetenzen:

  • erlernen der Selbststeuerungsfähigkeit
  • Wahrnehmung und Verarbeitung sozialer Informationen
  • Erlernen sozialer Fertigkeiten

Jede Therapieeinheit verläuft nach einem gleichen Muster, woran sich die Kinder durch eine vorhersehbare und wiederkehrende Struktur orientieren können.

Systemische Beratung

Die systemische Theorie geht davon aus, dass Entwicklung immer miteinander in einem sozialen Kontext geschieht, der von allen Beteiligten gemeinsam gestaltet wird. Wie bei einem Mobile, das aus mehreren miteinander verbundenen Teilen besteht, bewirken Veränderungen an einem Teil (z.B. Luftstoß) auch Veränderungen bei den anderen Teilen und bringen so das Ganze in Bewegung. Umgekehrt erzeugt eine Veränderung des gesamten Mobiles auch (unterschiedliche) Bewegungen der einzelnen Teile.

  • Bezieht sich vor allem auf die Gegenwart, die unmittelbare Vergangenheit (Geschichte des präsentierten Problems/Symptoms) und die nahe Zukunft.
  • Die Frage nach dem "Wie" ist wichtiger als die nach dem "Warum" von (problematischen) Verhaltensweisen. Anhand verschiedener Frage- und Interventionstechniken wird versucht, neue Lösungen zu finden, das Familiensystem umzustrukturieren bzw. das "Problemsystem" aufzulösen.
  • Bei der systemisch-lösungsorientierten Arbeitsweise stehen weniger die Defizite oder Symptome einzelner Personen im Vordergrund, sondern vielmehr der unterschiedliche Umgang damit und die Fähigkeiten und Ressourcen der Familienmitglieder, die nutzbar gemacht werden können, um Krisen, Probleme und Symptome erfolgreich zu überwinden.
  • Ziel ist es dabei, die Autonomie und den Selbstwert jeder einzelnen Person bzw. jeden Familienmitglieds zu stärken, den Zusammenhalt zu festigen, die Kommunikation zu verbessern und festgefahrene Beziehungsmuster zu verändern
  • Nicht die Frage nach Ursache und Schuld steht im Mittelpunkt einer Behandlung, sondern die dynamischen wechselseitigen Beziehungen zueinander und die Bedingungen, die zur Entstehung, Aufrechterhaltung oder Lösung von Problemen beitragen können.
  • Die Systemische Familientherapie wird sowohl in der Einzel-, Familien- und Paartherapie angewandt als auch in der Organisationsberatung und Supervision. Die Sitzungen können in kürzeren oder längeren Abständen stattfinden; häufig werden größere Gesprächsintervalle (14 Tage bis zu mehreren Monaten) vereinbart.

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